Ungeplant bleibt nicht ungewollt

 

Mag. Martina Fink  Klinische und Gesundheitspsychologin

 

Ein Großteil der Schwangerschaften entsteht noch immer ungeplant, doch nicht jede ungeplante Schwangerschaft bleibt unerwünscht.  Dies bedeutet aber auch, dass es  vorher keine Möglichkeit gab, sich auf die Schwangerschaft und ein Kind vorzubereiten und damit oft schwierige Umstände vorhanden sind. Zu der Zeit, in der die ungeplante und vielleicht auch unerwünschte Schwangerschaft registriert wird, keimt oft der Gedanke und der Wunsch, „all dies ungeschehen zu machen“. 

 

Für eine Entscheidung ist es sehr wichtig,  nicht nur die Vernunftgründe zu betrachten.  Es wird von der Vorstellung ausgegangen:  Für ein Kind soll Platz sein, die Umstände sollen  passen und darüber hinaus habe es auch  ein Recht, erwünscht und willkommen zu  sein. Noch immer kommen viele Kinder nicht  geplant und bereits vom ersten Anfang an  erwünscht zur Welt.  Für diese Entwicklung gibt die Natur neun  Monate Zeit.  Für diese unabänderliche Entscheidung ist  es vor allem wichtig, in sich hineinzuhorchen, welche Gefühle vorhanden sind.

 

Man meint aus Verantwortung gegenüber diesem  ungeplanten Lebewesen und vielleicht  aus Rücksicht dem Partner gegenüber zu  handeln. Es wird dabei oft übersehen, welche  Bindung sich zu diesem Kind bereits aufzubauen  begonnen hat.  Eine Schwangerschaft dem Partner zuliebe abzubrechen, ist eine große Belastung für  die Partnerschaft. Ähnliches gilt, wenn in  eine Schwangerschaft und ein Kind die Hoffnung gesetzt wird, eine kriselnde Partnerschaft  zu retten.  In einer Zeit der Unsicherheit ist vor allem  das Gespräch mit dem Partner und/oder anderen  Bezugspersonen wichtig. Doch letzten  Endes liegt die Entscheidung für oder gegen  das Kind allein bei der Frau und damit auch  die Verantwortung.

 

Entscheidungen gegen  ein Kind, die unter Druck anderer Menschen  getroffen wurden, sind erfahrungsgemäß  schwerer zu verarbeiten.  Das gilt auch für Haltungen und Einstellungen,  die nicht selbst entwickelt wurden, sondern  von der Umwelt übernommen worden  sindIn dieser schwierigen Zeit der Unklarheit über  die weitere Schwangerschaft ist es wichtig,  sich ausreichend Zeit für die Entscheidung  zu nehmen, alle Aspekte zu bedenken, wiederholt  zu besprechen und auch Beratung  von außen in Anspruch zu nehmen Für diese unerwartete Situation und schwierige  Zeit gibt es dankenswerterweise viele  gute fachspezifische Beratungsstellen. Dort  wird der Frau, dem Mann und dem Paar die  Möglichkeit geboten, in einem neutralen  Rahmen alle Sorgen und Ängste zur Sprache  zu bringen.  Ebenfalls wird man Sie in der Schwangerenberatungsstelle  darüber informieren können,  wie und wo Sie die Ihnen zustehenden  finanziellen Hilfen beantragen können.