Mag. Veronika Hruska ARGE Spuren im Leben

 

„Heilen bedeutet mit Liebe zu berühren, was wir zuerst mit Angst berührten.“ Stephen Levine

 

Deine eigene Fruchtbarkeit erscheint dir nach einem Schwangerschaftsabbruch vielleicht wie eine Zeitbombe, die allzu leicht in Form einer weiteren unerwünschten Schwangerschaft hochgehen kann. Deine Fruchtbarkeit macht dir Angst. Sie wird ein Feind deiner Lebenssicherheit, deiner Beziehungen, deiner Sexualität. Die meisten von uns Frauen haben nie – auch in der Schule nicht – gelernt, den eigenen Körper mit den fruchtbaren und unfruchtbaren Tagen wahrzunehmen. Der erste Schritt ist daher, dass du das Gefühl in dir zulässt: Ich möchte mich selbst als ganzen Menschen anerkennen und spüren können. Der neue Weg beginnt mit der Bereitschaft, in kleinen Schritten daran zu arbeiten:

 

██ dass du nicht mehr Opfer sein musst, sondern eine eigene Identität hast und dich abgrenzen darfst;

██ dass du für dein Frausein, deine Sexualität, deine Fruchtbarkeit und deine Gefühle verantwortlich bist. Was heißt das nun konkret in Hinblick auf Empfängnisverhütung? Dein Umgang mit der Schwangerschaftsverhütung spiegelt in vielfacher Weise deinen Umgang mit dir selbst. Beim Schwangerschaftsabbruch hat etwas in dir sterben müssen. Daher ist der erste Schritt zu entdecken, wie du mit dir und deiner Fruchtbarkeit umgehen kannst, damit zuerst einmal DU wirklich glücklich damit leben kannst. Von außen, bei Beratungsgesprächen vor dem Schwangerschaftsabbruch, wirst du in der Vorstellung unterstützt: Je weniger du selber bei einer Verhütungsmethode tun musst, umso sicherer ist sie. Aber gerade für eine Frau, der es darum geht, dass sie absolut keine Abtreibung mehr möchte, ist es ganz wichtig zu wissen: Kein Verhütungsmittel kann eine Schwangerschaft wirklich verhindern. Wenn eine Frau an fruchtbaren Tagen mit einem Mann Verkehr hat, kann es trotz dieser Mittel zu einer überraschenden Schwangerschaft kommen. Auch die Antibabypille, die Kupferspirale, die Hormonspirale (Mirena), die Dreimonatsspritze, das Implanon, selbst die Sterilisation von Frau oder/und Mann können eine Schwangerschaft nicht völlig ausschließen. Der Weg, beim Umgang mit der Sexualität die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage zu beachten, ist nicht so einfach. Du brauchst die Unterstützung von dir selbst und vom Partner. Das kann ein weiter Weg sein. Aber dieser Schritt zum Kennenlernen deines Körpers und zum bewussten Hören auf ihn bringt dich deinem Ziel näher: Natürliche Empfängnisregelung ist ein Weg, der Mühe und Einsatz kostet. Wie alles Wertvolle im Leben. Es gibt viele Kursangebote zum Thema Natürliche Empfängnisregelung. Die sympto-thermale Methode ist eine ganzheitliche Methode, die weit über das „tägliche Temperaturmessen“ hinausgeht und auch bei Frauen mit sehr unregelmäßigen Zyklen, nach einer Schwangerschaft oder nach einer Geburt, bei Kinderwunsch, sowie auch bei Beginn des Wechsels angewendet werden kann. (Auch gut informierte Ärzte kennen diese Methode manchmal nicht und verwechseln sie mit der „Temperaturmessmethode“.) Da es sich bei der Natürlichen Empfängnisregelung um eine Methode handelt, bei der man sich ganz genau an bestimmte Regeln 24 halten muss, ist es unbedingt notwendig, dass du diese auch wirklich richtig – und zwar in einem Kurs – erlernst. Unter der Telefonnummer 0 7672/23364 (Büro INER) oder unter www.iner.org erfährst du Näheres. Lass dich nicht davon abhalten, wenn es heißt, die Natürliche Empfängnisregelung sei ja unsicher. Wenn du einen entsprechenden Kurs besucht hast und dich an die Regeln hältst, wirst du erleben, dass die Natürliche Empfängnisregelung sicherer ist als hormonelle und chemisch-mechanische Methoden. Durch das Wissen um die Vorgänge in deinem Körper wird dir die eigene Fruchtbarkeit immer mehr bewusst. Du verstehst den Rhythmus von fruchtbaren und unfruchtbaren Tagen, wie er sich bei dir persönlich abspielt. Du weißt, wann du neues Leben empfangen könntest, du weißt aber auch um deine sicher unfruchtbaren Zeiten. Dieses Wissen trägt zur inneren Ruhe bei. Die Auseinandersetzungen mit dem Partner, bis es zu einer echten Gemeinsamkeit in dieser Beziehung kommt, kann langwierig und immer wieder schwierig sein. Aber schrick nicht von vornherein davor zurück. Es gibt so viele Lebensbereiche, wo du von einem Partner Rücksicht auf ein gemeinsames Ziel verlangen kannst. Das Stehen zu dir und deiner Fruchtbarkeit, zu dir und deinen Wünschen in Bezug auf Sexualität und Verhütung ist ganz wichtig. Glaub der Stimme in dir, die sagt, das wäre ein gangbarer Weg. Hör nicht auf jene, die meinen, hier ginge es nur darum, deine Sexualität zu unterdrücken. Es geht um deine Entfaltung als Mensch mit Leib und Seele. Zur Frage der Zuverlässigkeit

 

Die Zuverlässigkeit einer Methode wird an der Anzahl der überraschenden Schwangerschaften bezogen auf ein definiertes Zeitintervall gemessen. Berücksichtigung findet die praktische Zuverlässigkeit unter Einschluss von Anwendungsfehlern und nicht die theoretische Zuverlässigkeit. Der üblicherweise benutzte Pearl-Index bezeichnet die „Versagerquote“ einer Methode pro 100 Frauenjahre. Auch wenn die Umlegung nicht ganz exakt ist, können wir uns diese Angaben besser vorstellen, wenn wir sagen: Es handelt sich um die Anzahl der überraschenden Schwangerschaften, die auftreten, wenn 100 Paare eine Methode jeweils ein Jahr lang anwenden. Pearl-Index verschiedener Kontrazeptionsmethoden Pearl-Index-Tabelle entnommen aus dem Buch von Diedrich, K. (Hrsg.), Gynäkologie und Geburtshilfe, Berlin: Springer-Medizin-Verlag 2000, Seite 60 Methode Index. Sie finden die Aufstellung des Pearl-Index in der Broschüre auf Seite 25. Download HIER möglich.