„Spuren“ ist ein mehrdeutiges Wort. Einerseits die Mehrzahl von „Spur“, also z.B. die Fußspuren – das sind Zeichen von etwas, von dem man weiß, dass es einmal da war.  Andererseits „spuren“ im Sinn von „gefügig sein, das tun, was die anderen wollen.“  Und dann gibt es noch das Wort „spuren“ im Sinn von „die erste Spur legen“, z.B. beim Schifahren.

Nach einem Abbruch wird ein Kind niemals mehr sichtbar. Aber es verschwindet nicht spurlos. Es hinterlässt Spuren in den Menschen, zu denen es gehört. Das kann Sie erschrecken, wenn Sie den Wunsch haben, die Zeit zurückzudrehen, die Schwangerschaft ungeschehen zu machen. Das geht aber nicht. Wer unter einem Schwangerschaftsabbruch leidet, kann diesen Spuren nachgehen und den Verlust betrauern.

Dein Kind wird eine neue Spur im Leben legen, eine neue Lebensspur sein, wenn Sie es sein lassen. Vielleicht wird es gut im Leben anderer Menschen sein, wenn es zur Welt kommt.


Wie immer Sie sich entscheiden: Entscheiden Sie so selbstständig, wie nur möglich. In dieser Frage ist es falsch, so zu spuren, wie es sich die anderen wünschen: Lassen Sie sich von NIEMANDEN einreden, was gut für Sie ist, nicht von Ärzten, Freunden und Eltern. Ziehen Sie Ihre eigenen Spuren im Leben und lassen Sie auch ihrem Kind Spuren ziehen, soweit es möglich ist.

Deshalb haben wir diese Homepage „Spuren im Leben“ genannt.

Wir können Ihnen aus unserer eigenen Erfahrung sagen, dass es immer wieder Auswege gibt. Für uns bedeutet der folgende Text sehr viel und wir haben erlebt, dass er für uns, auch nach einem Abbruch, gestimmt hat. Gott fragt nämlich nicht, wie du dich entscheidest. Er trägt dich auf jeden Fall.

 

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel
erstrahlten, Streiflichtern gleich,
Bilder aus meinem Leben.
Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen
vorübergezogen war, blickte ich zurück.
Ich erschrak, als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges
nur eine Spur zu sehen war.
Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,
da hast du mir versprochen,
auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich,
daß in den schwersten Zeiten meines Lebens
nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen,
als ich dich am meisten brauchte?"
Da antwortete er: "Mein liebes Kind,
ich liebe dich und werde dich nie allein lassen,
erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen."

Margaret Fishback Powers

Copyright © 1964 Margaret Fishback Powers
Copyright © der deutschen Übersetzung 1996 Brunnen Verlag Gießen.
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